Scenario

1649-8526Jahrgang IAusgabe 2Jahrgang 2007

Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

wir freuen uns sehr, dass auch in der zweiten Ausgabe von SCENARIO wiederum aus der Perspektive verschiedener Länder (Deutschland, Großbritannien, Irland, Italien, Kanada) zur Fachdiskussion beigetragen wird.

Diese Ausgabe beginnt mit der ausführlichen Beschreibung und Kommentierung von zwei Unterrichtsprojekten, die in die Aufführung eines Theaterstücks mündeten. In beiden Fällen wird überzeugend demonstriert, wie Studierende während der Inszenierungsarbeit einen Zugang finden können zu literarischen Texten aus vergangenen Epochen.

Mercedes Ariza, Maria Giovanna Biscu und Maria Isabel Fernandez García (Università di Bologna at Forlí) vermitteln einen Einblick in ihr dreijähriges Forschungsprojekt Language mediator training and intercultural competence acquisition: theatre in the teaching of foreign languages, translation and interpreting (2005-2008). Im Zentrum steht die Analyse, Adaption und Inszenierung des vom spanischen Dramatiker Lope de Vegas (1562-1635) um 1600 geschriebenen Textes El Nuevo Mundo descubierto por Cristóbal Colón. Dabei wird insbesondere aus übersetzungstheoretischer Perspektive beleuchtet, wie bereits im Spanisch-Anfängerunterricht die Grundlagen für ein tieferes Verstehen von Fremdkultur gelegt werden können.

Alexandra Zimmermann (Wilfrid Laurier University, Waterloo) nimmt ihre Studierenden mit auf eine Reise ins 19. Jahrhundert, indem sie an ihrer Universität im im Rahmen eines Festes zur Erinnerung an den deutschen Schriftsteller E.T.A. Hoffmann (1776-1822) einen besonderen Theaterabend gestaltet. Durch eine literatur-, kultur- und musikwissenschaftlich sorgfältig recherchierte szenische Collage, die eine besondere Energie durch die bewusste Nutzung der produktiven Spannung zwischen den Kunstformen Theater und Oper bezieht, wird einem breiteren Publikum der Weg zu Hoffmanns Persönlichkeit und Werk geebnet. In Anbetracht von weltweiten Diskussionen über sinkende Studentenzahlen in manchen Fremdsprachendisziplinen ist bemerkenswert, dass die Autorin für produktorientierte Unterrichtsarbeit plädiert, um auf diese Weise effektiv für das Studium einer fremden Sprache, Literatur und Kultur zu werben.

Daniel Feldhendler (Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt) gibt in seinem Artikel Playback Theatre – A Method for Intercultural Dialogue einen Überblick über die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten des Playback Theatre. Er beschreibt das enorme Potenzial dieser Theaterform in diversen Anwendungsfeldern, in welchen die gezielte Förderung von interkultureller Dialogfähigkeit im Zentrum steht. Von besonderem Interesse für SCENARIO-Leserinnen und Leser dürften dabei die Einsatzmöglichkeiten dieser Theaterform in der universitären Fremdsprachen(lehrer)ausbildung sein, insbesondere auch im Rahmen von speziellen transkulturellen Trainingsprogrammen. Diese theoretische Skizze wird voraussichtlich in der nächsten Ausgabe von SCENARIO von Daniel Feldhendler durch eine detaillierte Beschreibung von Beispielen aus der Playback-Praxis ergänzt.

Die drei folgenden Beiträge nähern sich aus unterschiedlichen Perspektiven der Geschichte und Gegenwart des deutschen Theaters.

Zunächst liefert Stefan Hajduk (Mary Immaculate College, University of Limerick) einen Überblick über die geschichtliche Entwicklung und systemische Struktur des deutschen Theaters seit der Zeit des Barock. Der Überblick mündet in eine kritische Reflexion der besonderen Situation des heutigen deutschen Kulturtheaters und endet mit einem engagierten Plädoyer für die wichtige Rolle, die das Theater für die deutsche Gesellschaft auch in Zukunft spielen kann und sollte.

In ihrem Artikel No Laughing Matter? – A Short History of German Comedy skizzieren Chris Ritchie (Southampton Solent University) und James Harris (Berlin) die Entwicklung der deutschen Komödie seit der Renaissance, wobei der Schwerpunkt auf der Entwicklung dieses Genres im 20. Jahrhundert liegt. Von besonderem Interesse für SCENARIO-Leserinnen und Leser dürfte die interkulturelle (britisch-deutsche) Perspektive sein, die von den Autoren am Beispiel des in Deutschland wohlbekannten Sketches Dinner for One und anhand von ausgewählten Monty Python-Episoden thematisiert wird.

Abgerundet wird diese Ausgabe durch ein Interview, das Bärbel Jogschies (Maxim Gorki Theater, Berlin) und Manfred Schewe (University College Cork) mit Armin Petras, Intendant am Maxim Gorki Theater, Berlin, durchführten. SCENARIO-Leserinnen und Leser bekommen auf diese Weise einen Einblick in theatertheoretische und –praktische Überlegungen, die der kreativen Arbeit an einem derzeit besonders erfolgreichen Theater in Deutschland zugrunde liegen. Ganz im Sinne dieser Zeitschrift werden dabei auch theaterpädagogische Aspekte betont.

Ein paar Hinweise in eigener Sache:

In dieser Ausgabe erscheint erstmalig die Rubrik Texte ums Theater, in der wir künftig historische und zeitgenössische, kulturübergreifende bzw. -spezifische, unvermutet schräge, ungewöhnlich spannende, verstörend mitreißende, faszinierend schillernde etc. Perspektiven aufs Theater vorstellen möchten. Wir beginnen mit einem facettenreichen Auszug aus Christoph Ransmayr’s Die Dritte Luft oder Eine Bühne am Meer. Der österreichische Gegenwartsautor führt uns an einen Ort an der der südirischen Küste, wo in wunderschöner natürlicher Umgebung unter freiem Himmel getanzt, musiziert und mit einfachsten Mitteln inszeniert wird; die aktive Teilhabe an Formen Darstellender Kunst ist dort natürlicher und integraler Bestandteil der Alltagserfahrung, befreit die Küstenbewohner von persönlicher Bürde und stärkt ihren Lebensmut.

In diesem Kontext möchten wir Leserinnen und Leser ermuntern, uns Hinweise auf kurze Texte bzw. Auszüge aus längeren (literarischen) Texten zu geben, in denen auf ähnliche Weise ein besonderer Blick aufs Theater gerichtet wird. Zu gegebener Zeit sollen die Perspektiven in dieser Rubrik – so die langfristige Überlegung - gesammelt und kommentiert auch in Buchform erscheinen.

Wir danken Maria Sinnecker für die Überarbeitung unseres Stylesheets und Unterstützung beim Formatieren der Artikel. Peter Flynn, Computer Centre, University College Cork, gilt wiederum ein besonderer Dank für seine unverzichtbare Hilfe bei der Lösung von Online-Publishing-Problemen und speziell dafür, dass fortan SCENARIO-Artikel auch im PDF-Format herunter geladen werden können.

Die Herausgeber

Susanne Even / Manfred Schewe

25. Oktober 2007