Scenario

1649-8526Jahrgang IIAusgabe 1Jahrgang 2008

Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

zu dieser dritten Ausgabe von SCENARIO wird aus deutscher, italienischer, irischer, kanadischer und US-amerikanischer Perspektive beigetragen. Sie beginnt mit Peter Jankowskys Niederlage, mit Folgen in der Rubrik „Texte ums Theater“. Er schildert darin ein prägendes Erlebnis aus seiner Schulzeit, das zum Anstoß wurde für eine lebenslange leidenschaftliche Beschäftigung mit Literatur und Theater.

Es folgen fünf dramapädagogische Modelle für einen fremdsprachlichen Deutschunterricht, in dem die kreative Eigentätigkeit von Studierenden und Schülern, besonders auch im Bereich „Szenisches Schreiben“ gefördert wird..

Michael J. Sosulski (Kalamazoo College, Indiana, USA) stellt einen Kurs vor, in dem Deutschstudierende dramatische Texte analysieren, ausgewählte Szenen inszenieren und dabei ihre fremdsprachlichen Kompetenzen wie auch ihr kulturelles und literarisches Wissen erweitern. Eine Komponente von Sosulskis Praxismodell verdient besondere Erwähnung: Die Studierenden lernen Schauspielmethoden verschiedener Epochen kennen und wenden diese im Unterricht praktisch an.

Mark Lauer (Georgetown University, Washington D.C.) und Steffi Retzlaff (McMaster University, Hamilton, Canada) beschreiben, wie narrative Texte dramapädagogisch erschlossen werden können. Während bei Mark Lauer die vielfältigen Lernprozesse bei der Adaption von Hans Peter Friedrichs Roman Damals war es Friedrich (1961) thematisiert und dokumentiert werden, stellt Steffi Retzlaff ein Kursmodell vor, in dem Studierende eine Technik unter der Bezeichnung „Neuromuscular Integrative Action“ (Nia) kennen lernen, sich auf eine innovative Unterrichtsform einlassen und dabei nachhaltig wirksame Lernerfahrungen am Beispiel von Thomas Brussigs Roman Am kürzeren Ende der Sonnenallee (1999) machen.

Frank Fischäss (Volkshochschule Ravensburg), der als Gastdozent am German Department der Universität Cork im Jahre 2006 stellvertretend die Leitung des einsemestrigen Kurses „Literatur verstehen und inszenieren“1 übernahm, beschreibt in seinem Beitrag die kleinschrittige Erarbeitung eines Theaterstückes, das im Granary Theatre der Universität Cork aufgeführt wurde. Eine Fotomontage wird zum Anstoß für die Erarbeitung von Szenen und fungiert gleichzeitig als großdimensional projiziertes Bühnenbild.

Marina Bertino (Sekundarschule Catania, Italien) bringt in diese Ausgabe eine schulische Perspektive ein, indem sie darstellt, wie bereits im Anfängerunterricht das Erzählen und Inszenieren eigener Geschichten, Märchen und Mythen in der Fremdsprache eine motivierende und lernfördernde Rolle spielen kann. Sie verweist dabei auf das besondere Potential von Formen des Erzähltheaters (Teatro di narrazione) und berichtet über die verschiedenen Stufen eines Theaterprojektes, das im Rahmen des vom Goethe Institut Turin veranstalteten Wettbewerbs Mit Deutsch auf die Bühne 2007 mit dem 1. Preis ausgezeichnet wurde.

Zum Ende dieser Ausgabe lenkt Birgit Oelschläger (Goethe Institut Berlin) den Blick auf die aktuelle Fachdiskussion in der deutschen Theaterpädagogik. Die Tatsache, dass vermehrt Tagungen unter Titeln wie „Theaterpädagogische Methoden und Spracherwerb“, „Spielen Sprechen Lernen – Theaterpädagogik und Sprachförderung“ bzw. auch „Theaterspiel und Sprachlust“ stattfinden, ist Indiz für ein zunehmendes Fachinteresse auch am Bereich Fremd- und Zweitsprachenvermittlung. Birgit Oelschläger reagiert auf diese Entwicklung, indem sie sich vortastet zu einer Antwort auf die Frage „Wie kann es eine produktive Wechselwirkung zwischen der Theaterpädagogik und dem Bereich Sprachvermittlung bzw. –förderung geben?“

Zum Abschluss einige Hinweise in eigener Sache:

Der für diese Ausgabe geplante Artikel von Daniel Feldhendler muss leider auf eine der folgenden Ausgaben verschoben werden.

Bei der Umwandlung von Artikeln in das druckfreundlichere pdf-Format können gelegentlich noch geringfügige Fehler auftreten. Wir sind aber auf dem besten Wege, diese technischen Probleme zu beheben.

Die Herausgeber

Susanne Even / Manfred Schewe

10. Mai, 2008