Scenario

1649-8526Jahrgang IIAusgabe 2Jahrgang 2008

Zeitschrift für Theaterpädagogik – KORRESPONDENZEN

Gerd Koch

1. Einleitung

Die Zeitschrift für Theaterpädagogik gibt es erst seit 2005 unter dem Namen „Zeitschrift für Theaterpädagogik“. Gegründet wurde sie jedoch bereits 1985, damals aber unter dem Titel „Korrespondenzen“ und mit diesem Untertitel „ … Lehrstück … Theater … Pädagogik … „ Die drei Begriffe des Untertitels wurden getrennt von einander geschrieben. Also: Lehrstück, Theater, Pädagogik. Die drei Begriffe wurden zusätzlich noch durch drei Punkte voneinander getrennt. Ja, die Unterzeile des Titels begann selbst mit drei Punkten: … - wie, um eine Pause oder ein Nachdenken zu signalisieren. So lautete der gesprochene Untertitel: Punkt, Punkt, Punkt Lehrstück Punkt, Punkt, Punkt Theater Punkt, Punkt, Punkt Pädagogik Punkt, Punkt, Punkt. Statt der die Begriffe trennenden Punkte hätte man auch drei Gedankenstriche setzen können; denn es sollte und musste damals - noch - darüber nachgedacht werden, wie diese drei Begriffe wohl zusammenpassen oder ob sie überhaupt zusammengehören, ob sie sich stören, ausschließen oder aber ergänzen. Wir, das heißt diejenigen, die damals die Zeitschrift herausgaben - es waren das hauptsächlich Florian Vaßen, in dessen Verlag die damals noch kleine Publikation (etwa 300 Exemplare betrug die Auflage; jetzt sind es fünfmal so viele) erschien, und ich - wir wollten auf jeden Fall einen fruchtbaren, konstruktiven und nachdenklichen Widerspruch der drei Begriffe anregen. Wir gingen vom Gelingen einer Art Dialektik aus: Die Begriffe sollten sich durchaus stören, ergänzen und zusammen etwas Neues anregen - etwas, was unserer Meinung nach in der westdeutschen Bundesrepublik Deutschland zu der Zeit noch nicht vorhanden war.

Auch konnte man alle drei Begriffe in einem Atemzug lesen und wie ein Wort hören: Lehrstücktheaterpädagogik! Oder man koppelte nur zwei Begriffe aneinander. Dann konnte man diese Wortzusammensetzungen bilden: Lehrstückpädagogik - Theaterpädagogik - Lehrstücktheater - auch vielleicht: pädagogisches Theater. So ähnlich konnte man kreativ mit den drei Begriffen „Lehrstück“, „Theater“ und „Pädagogik“ umgehen.

2. Korrespondenzen

Nun aber etwas zum Zeitschrift-Haupttitel, nämlich: „Korrespondenzen“. Er sollte die Leseanweisung, die Dynamik (oder Dialektik) der drei Begriffe anregen. Die Begriffe und die dahinter stehenden Arbeitsformen und Tätigkeitsfelder und kommunikativen Muster sollten miteinander korrespondieren (lernen), miteinander in Verbindung treten. Und auch die Menschen, die kreativ, theatral, pädagogisch dort jeweils tätig sind, sollten miteinander in Korrespondenz, also in Austausch, in Verbindung treten, Wechselwirkungen herstellen. Dafür hatten wir im Übrigen in der Tat auch die Zeitschrift gegründet. Wir wussten von vielen sehr verschiedenen Personen, die schon lange oder neuerdings erst auf den Feldern von Lehrstück, Theater und/oder Pädagogik - mit je unterschiedlichem Akzent - tätig waren. Diese Kolleginnen und Kollegen hatten unterschiedliche Berufe oder befanden sich noch in Ausbildung oder Studium. Manche waren Lehrer/Lehrerinnen, Erwachsenenbildner, Erzieher, Religionspädagogen, Gewerkschafter, Sozialpädagogen, Literaturwissenschaftler, Schauspieler, Regisseure usw. (jeweils Frauen und Männer). Und man arbeitete oft unverbunden ohne Kontakt mit anderen. Es fehlte an kollegialem Austausch und an einer gemeinsamen Fachsprache. Und Austausch, Korrespondenz sind ja gerade dann wichtig, wenn man an etwas Neuem arbeitet: Man braucht dafür Stützungen, Supervision, Anregungen, Hilfen, Fachgespräche, Ergänzungen und Kritik durch andere. Der Stückeschreiber Bertolt Brecht nannte so etwas mit Bezug auf Karl August Wittfogel eine kollektive „Produktionsberatung“.

Dafür bietet sich eine Fach-Zeitschrift an! Und wir können auch sagen: In den Anfängen der Zeitschrift hatten wir es nicht immer leicht, genügend Artikel zu bekommen. Das hat sich sehr geändert: Die Praktiker, die die Zeitschrift lesen, schreiben auch in ihr, indem sie über ihre Praxis schriftlich reflektieren (also praxisfundierte Theoretiker sind). Und die Theoretiker haben ein Forum, um Theorien ins Feld von Wissenschaft und Praxis zu geben und um sich durch Praxis und Diskurs zu präzisieren in ihren Forschungen. Nicht immer ist es leicht, Theoretiker von Praktikern streng zu trennen – und das ist innerhalb eines praxeologisch fundierten Arbeitsansatzes, wie in Pädagogik und Theater darstellen, auch gut so! Die Zeitschrift ist eine Institution der Weiterbildung geworden!

Neben der Zeitschrift und mit ihr korrespondierend fanden die spielpraktischen „Exerzitien“, die theaterpädagogischen Experimente statt. Aus solchen Versuchen wurden neue theaterpädagogische Konzepte entwickelt. Dort wurden theoretische Konzepte praktisch erprobt. Sie wurden dadurch überprüft. Es entstanden aus kollektiver Arbeit neue Gedanken und man stärkte sich untereinander. Es entstanden wissenschaftliche Diplom- und Magister- und Doktorarbeiten sowie Buchpublikationen, die das Neue fixierten.

Für die Zeitschrift bedeutete es, dass sie 1994 umbenannt werden konnte: Die bei der Gründung noch lose beieinander stehenden und zusätzlich durch drei Punkte voneinander getrennten Begriffe „Lehrstück“, „Theater“ und „Pädagogik“ fielen weg, und die Zeitschrift hieß fortan zwar weiter „Korrespondenzen“ aber mit einen neuen Untertitel, nämlich: „Zeitschrift für Theaterpädagogik“. Die erste Ausgabe mit dem Untertitel „Zeitschrift für Theaterpädagogik“ war ein Dreifach-Heft, dass sich gerade mit dem Begriff, der nun wegfiel, befasste: Der Heft-Schwerpunkt umfasste fast 130 Seiten (im DIN-A-4-Format!) zu Brechts Lehrstücken!

3. Zeitschrift für Theaterpädagogik

Der neue, eindeutige Untertitel zeigt nun schon deutlich an, dass man es nicht mehr mit drei Begriffen zu tun hat, sondern der jetzt verwendete Begriff „Theaterpädagogik“ signalisierte, dass etwas Neues in die Pädagogik und ins Theater kam: die Theaterpädagogik als eine integrative Disziplin!

Der Haupttitel „Korrespondenzen“ hatte sich wie eine trade mark, wie ein label eingeführt, so dass wir erst 2005 – also 20 Jahre nach Begründung der Zeitschrift - uns trauten, den neuen Untertitel „Zeitschrift für Theaterpädagogik“ zum Haupttitel zu machen - und das Wort „Korrespondenzen“ rutschte zur Erinnerung an die Anfänge in den Untertitel. Wir hatten nach langen Jahren des Experimentierens und der Selbstqualifikation jetzt den Mut, mit solchen wissenschaftlichen Fachpublikationen zu ‚konkurrieren’, die eine ähnliche Titel-Fassung für ihr jeweiliges, etabliertes Fachgebiet gewählt hatten, z.B. die „Zeitschrift für Pädagogik“, die „Zeitschrift für Erziehungswissenschaft“, die „Zeitschrift für Soziologie“ oder die „Zeitschrift für Germanistik“.

Die Zeitschrift erscheint zweimal im Jahr. 2008 ist ihr 25. Jahrgang. Sie wird durch den SCHIBRI Verlag produziert. Heft 50 dokumentiert einen Teil der Geschichte der Zeitschrift und blickt auf das erste Heft zurück. Dieses Heft ist als unveränderter Nachdruck dem Heft 50 beigefügt. Die Schwerpunkte im Jahr 2008: „Theater machen – spielen – lehren“ (Heft 52), „PolitikTheaterPädagogik“ (Heft 53). Das erste Heft von 2009 wird sich mit interdisziplinärer ästhetischer Bildung befassen.

Vier Verbände der Theaterpädagogik tragen mit ihren Mitgliedern die Zeitschrift. Personale, unabhängige Herausgeber sind Prof. Dr. Ulrike Hentschel (Berlin), Dieter Linck (Erlangen), Prof. Dr. Gerd Koch (Berlin), Prof. Dr. Bernd Ruping (Lingen/Ems), Prof. Dr. Florian Vaßen (Hannover).

Zeitschrift für Theaterpädagogik – KORRESPONDENZEN, ISSN 1865-9756. Kontakt über den Schibri Verlag <Schibri-Verlag@t-online.de> oder über den geschäftsführenden Herausgeber Gerd Koch <koch@asfh-berlin.de>