Scenario

1649-8526Jahrgang IVAusgabe 2Jahrgang 2010

Vorwort

Liebe Leser und Leserinnen,

Zunächst möchten wir Ihnen freudig mitteilen, dass unserer Zeitschrift im Jahr 2010 das Europäische Sprachensiegel verliehen wurde.

Diese besondere Auszeichnung würdigt SCENARIOs innovative Rolle beim Brückenbau zwischen den Künsten und dem Bereich Sprachvermittlung und damit als Wegbereiterin einer performativen Lehr- und Lernkultur.

Die Zeitschrift ist also auf gutem Wege und wir möchten die Gelegenheit nutzen, allen in der Redaktion sowie unseren Beiträgern und Beiträgerinnen, Lesern und Leserinnen für ihren Teil am Gelingen dieses Projekts zu danken.

Die vorliegende achte Ausgabe beginnt mit der Rubrik Texte ums Theater, in der jeweils ein besonderer Blick auf das Theater gerichtet wird. Diesmal handelt es sich um einen Auszug auf Theodor Storms Novelle Pole Poppenspäler, die 1874 erstmalig erschien. In der Novelle geht es vor allem um die Faszination, die das Marionettenspiel auf den kleinen Paul (Pole) ausübt, im gewählten Auszug insbesondere auch um den Aspekt der Fähigkeit zur Improvisation.

In den ersten beiden Beiträgen wird dargestellt, wie dramapädagogisch an besonders herausfordernden Themen gearbeitet werden kann.

Im Falle von Lynn Kutch (Kutztown University of Pennsylvania, USA) ist es das Thema Holocaust. Der semesterlangen Unterrichtsarbeit mit amerikanischen Germanistik-Studierenden liegt Ruth Klügers autobiographischer Text weiter leben zugrunde. Lynn Kutch nutzt verschiedene theater- und dramapädagogische Techniken, um die Studierenden behutsam in den historischen Kontext einzuführen und vor allem eine Einfühlung in die Hauptfiguren des Textes zu erreichen mit dem Ziel, den Zusammenhang zwischen individueller und kollektiver nationaler Erfahrung besser begreifen zu können.

Eucharia Donnery (Sophia Universität, Tokyo, Japan) wagt sich an das Thema Bullying, auf das Pädagoginnen und Pädagogen nicht nur in Westeuropa, sondern auch in Asien immer öfter zu reagieren haben. Durch Eucharia Donnerys Artikel werden die Leser und Leserinnen mit Aspekten des japanischen Erziehungssystems vertraut gemacht und speziell auch mit der Rolle der Dramapädagogik im Bereich Fremdsprachen. Im Zentrum ihres Artikels steht der ausführliche Bericht über ein innovatives dramapädagogisches Projekt, durch das Studierende an der Faculty of Human Welfare Studies anhand eines für ihr Fachstudium relevanten Themas ihre kommunikativen Fähigkeiten weiter entwickeln sollten. Nach einer erfolgreichen Pilotphase ist dieser Ansatz der Förderung von Spracherwerb durch die dramapädagogische Arbeit an einem sozial relevanten Thema inzwischen integraler Bestandteil des Curriculums an der Kwansei Gakuin University.

Im dritten Beitrag dieser Ausgabe wird für Ursula Bünger (Herder Institut Leipzig, ITC Archimede (Modica) und ITT Giorgio La Pira (Pozzallo), Italien) der Europäische Referenzrahmen (GER) zum Bezugspunkt. In ihrer Auseinandersetzung damit problematisiert sie die Unterbelichtung von affektiven, intentionalen und interkulturellen Faktoren des Spracherwerbs im GER. Aber sie teilt nicht die Auffassung, dass die ganzheitliche Orientierung der Dramapädagogik mit der pragmatischen Ausrichtung des GER unvereinbar ist. Anhand eines dramapädagogischen Unterrichtsprojekts, das sie mit Nullanfängern an einem Gymnasium in Süditalien durchführte, berichtet sie ausführlich über Möglichkeiten, im Fremdsprachenunterricht die affektive mit der kognitiven Dimension zu verbinden. Besonders interessant dürfte für viele Leser und Leserinnen sein, wie das Medium ‘Handy’ eingesetzt wurde, um die Unterrichtsarbeit zu dokumentieren und den Schülern und Schülerinnen dabei zu helfen, sich ihrer eigenen Lernprozesse bewusst zu werden.

Diese Ausgabe endet mit zwei Rezensionen.

Gert Hofmann (University College Cork, Irland) bespricht Florian Vaßens Korrespondenzen: Theater. Ästhetik. Pädagogik (Berlin: Schibri Verlag 2010). Dieser Sammelband beleuchtet die gegenwärtigen Korrespondenzen zwischen künstlerischer und pädagogischer Praxis auf dem Felde des Theaters und thematisiert damit Entwicklungen, die auch in den Bereich Fremdsprachen hinein wirken.

Mit Stephen Boyds (University College Cork) Rezension, in der es um die Besprechung von Steven Ritz-Barrs Marionettenfilm zu Cervantes’ Quixote geht, wird ein Bogen zu Theodor Storms Pole Poppenspäler geschlagen und diese Ausgabe abgerundet.

Zum Schluss möchten wir Leser und Leserinnen darauf hinweisen, dass es nunmehr die Möglichkeit gibt, in eine Scenario-Email-Liste aufgenommen zu werden (s. entsprechenden Link auf der Homepage).

Das Herausgabeteam

Susanne Even / Manfred Schewe

28. Dezember 2010