Scenario

1649-8526Jahrgang VIAusgabe 2Jahrgang 2012

Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

Diese 12. Ausgabe von SCENARIO ist stark italienisch akzentuiert. Fünf Artikel basieren auf Beiträgen zu der Tagung Plot Me No Plots: Theatre in University Language Teaching, die vom 14. bis 15. Oktober 2011 vom Dipartimento di Lingue e Letterature Anglo-Germaniche e Slave an der Universität Padua ausgerichtet wurde. Fiona Dalziel, Organisatorin der Tagung, hatte im ‘Call for Papers’ deren Ziel wie folgt umrissen:

The seminar aims to give those interested in the role of theatre in university second language education the opportunity to share their research, ideas and practical experiences. These could range from the use of drama techniques such as improvisation in the communicative language classroom to full-scale production of theatrical works, and may relate to the teaching of any modern language. Participants will be able to explore the relationship between theatre and language curricula from a number of different perspectives and reflect on the power of the stage in fostering language and intercultural learning.

Nicoletta Marini-Maio (Dickenson College, Carlisle, PA, USA) vermittelt einen Eindruck von dem besonderen Ambiente und dem inhaltlichen Schwerpunkt dieser Tagung und fasst aus ihrer Perspektive kurz zusammen, welche Aspekte theaterbezogenen Fremdsprachenlehrens und -lernens in den verschiedenen Beiträgen beleuchtet wurden.

In den darauf folgenden fünf Artikeln werden von den jeweiligen Tagungsbeitragenden spezifische Formen theaterbezogener Sprach-, Literatur- und Kulturvermittlung vorgestellt.

Fiona Dalziel (Università degli Studi di Padova) thematisiert zusammen mit Andrea Pennacchi (Padua), wie sie zusammen mit Anglistik-Studierenden an der Universität Padua Shakespeares Henry VI (Part One) adaptierten. Ein Stück dieses kanonischen Kalibers zu adaptieren ist eine große Herausforderung für Studierende, und die AutorInnen zeichnen eindrucksvoll die einzelnen Etappen nach, die zur Aufführung vor einem Publikum führten. In ihrem Beitrag Looking for Henry: Improvisation and Storytelling in Foreign Language Theatre richten sie den Blick insbesondere auf die Erfahrungen, die im Prozess der Adaptionsarbeit von Studierenden und Lehrenden gemacht werden.

Filippo Fonio (Université de Grenoble) setzt sich in seinem Beitrag Stuffed PantsStaging Full-Scale Comic Plays with Students of Italian as a Foreign Language mit dem Aspekt der Komik auseinander. Er beschreibt seine Erfahrungen mit der Aufführung von komischen Stücken im Rahmen des Italienisch als Fremdsprachenunterrichts. Dazu gehört, dass die Studierenden sich durch solche Stücke besonders begeistern lassen und sich bei Einstudierung und Aufführung des komischen Stückes intensiv mit kulturspezifischen, speziell auch nonverbalen und paralinguistischen Phänomenen auseinandersetzen.

Erika Piazzoli (Griffith University, Brisbane) richtet den Fokus in ihrem Beitrag Engage or Entertain? The Nature of Teacher/Participant Collaboration in Process Drama for Additional Language Teaching auf die komplexe Inszenierungsform Process Drama und beleuchtet anhand ihrer Unterrichtserfahrungen mit erwachsenen Italienischlernern bzw. Fortbildungspraxis mit Italienischlehrern insbesondere das Potenzial der Inszenierungstechniken Teacher in Role und Mantle of the Expert. Im Kontext einer dramapädagogischen Gestaltung von Fremdsprachenunterricht sieht die Autorin ein Verständnis von “teacher as entertainer” als problematisch an und plädiert dafür, Forschunganstrengungen verstärkt auf die weitere Erkundung des Konzepts “teacher as artist” zu lenken.

Lorna Carson (Trinity College Dublin) nähert sich dem Schwerpunkt der Tagung aus Sprachlehr-/lernforschungsperspektive und setzt sich in ihrem Beitrag The Role of Drama in Task-Based Learning: Agency, Identity and Autonomy auf dem Hintergrund eines aufgabengestützten Fremdsprachenunterrichts zunächst theoretisch mit den Konzepten Agens, Identiät und Autonomie auseinander. Im zweiten Teil ihres Beitrags bezieht sie diese Konzepte auf die Evaluation von dramatischen Aktivitäten, die im Rahmen eines English for Academic Purposes-Kurses für Postgraduierte an einer irischen Universität durchgeführt wurden. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass dramatische Aktivitäten die Kriterien einer “authentischen Aufgabe” erfüllen, somit Lernerbedürfnissen entgegen kommen und den Fremd- und Zweitsprachenerwerbsprozess voran treiben helfen.

Ivan Lombardi (Università Cattolica del Sacro Cuore, Milano)führt SCENARIO-Leserinnen und Leser mit seinem Beitrag From the Curtain to the Façade: Enhancing ESL/EFL Learners’ Communicative Competence through an Interactive Digital Drama erstmalig in digitale Sphären. Er stellt das Computerspiel bzw. “digitale Drama” Façade vor, das seiner Erfahrung nach eine wichtige Rolle bei der Förderung der englischen Sprachkompetenz spielen kann. Auf dem Hintergrund einer spielorientierten Methodik (“ludic methodology”) demonstriert er, wie das Spiel eingesetzt werden kann, um fremdsprachenunterrichtliche Ziele im Sinne des Europäischen Referenzrahmens effektiv zu erreichen.

Im Anschluss an diese fünf Artikel, die aus der Konferenz an der Universität Padua hervorgegangen sind, reflektiert das Autorenteam María Isabel Fernández García, Mercedes Ariza, Claudio Bendazzoli, Maria Giovanna Biscu und Yvonne Grimaldi in dem Beitrag The Effective Action of Theatre in the Educational Mapping of Linguistic and Intercultural Mediators über 20 Jahre Erfahrung mit TiLLiT (Theatre in Language and Language in Theatre) im Rahmen der Übersetzer- und Dolmetscherausbildung an der Univeristät Bologna Forlì. Spannend daran ist, dass dabei auf Abschlussarbeiten von Studierenden Bezug genommen wird, in denen deutlich wird, wie sie durch die Mitwirkung an theaterbezogener Arbeit übertragbare Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickelt haben, die für ihren beruflichen Werdegang eine wichtige Rolle gespielt haben.

Die Ausgabe wird abgerundet durch Gabriella Caponi-Doherty’s (University College Cork) Rezension des von Colleen Ryan und Nicoletta Marini-Maio 2011 herausgegebenen Buches Dramatic Interactions: Teaching Languages, Literatures, and Cultures through Theater —Theoretical Approaches and Classroom Practices und Micha Fleiners (Pädagogische Hochschule Freiburg) Bericht über eine Konferenz an der Universität Graz zum Thema Drama als Methode: Theaterorientierte Unterrichtsformen in Schule und Universität.

Wie in vorherigen Ausgaben stellen wir zu Anfang der Ausgabe in der Spalte Texte ums Theater wieder einen literarischen Text vor, diesmal einen Auszug aus Johann Wolfgang von Goethes Bildungsroman Wilhelm Meisters Lehrjahre (1795/96).

Wir hoffen, dass von dieser “italienischen Ausgabe” viele neue Anregungen ausgehen und verbleiben mit den besten Wünschen für das Neue Jahr 2013.

Das Herausgabeteam

Manfred Schewe / Susanne Even