Scenario

1649-8526Jahrgang XIAusgabe 2Jahrgang 2017

Vorwort

Liebe SCENARIO-Leserinnen und -Leser,

für die vorliegende letzte Ausgabe im Jahr 2017 haben wir fünf Artikel, zwei Buchrezensionen und einen Text der Rubrik Texte ums Theater vorbereitet. Die Artikel gehen auf die zweite Internationale SCENARIO Forum Tagung zurück, die im Mai am University College Cork stattfand und das 10-jährige Jubiläum von SCENARIO feierte (für eine audiovisuelle Zusammenfassung siehe Video hier)

Die englischsprachigen Artikel erreichen uns aus Deutschland, Japan, dem Vereinigten Königreich und den USA und beziehen sich auf unterschiedliche Lernende: auf vier bis fünfjährige Vorschulkinder, Primar- und SekundarschülerInnen, Studierende und, im Kontext von Migration, auf Großmütter ohne formalen Bildungshintergrund. Die AutorInnen demonstrieren Konzepte performativen Lehrens, die auf die Bedürfnisse dieser Lernenden zugeschnitten sind. Die BeiträgerInnen führen sorgfältig in den jeweiligen Kontext ein: Anne Smith unterstützt MigrantInnen und Flüchtende mit niedrigen Englischkenntnissen im Vereinigten Königreich ihm Rahmen des „Applied Theatre“-Programms „Creative English“. Yasuko Shiozawa & Eucharia Donnery entwickeln einen kultursensiblen dramapädagogischen Ansatz für japanische Studierende des Faches Englisch als Fremdsprache. Gustave J. Weltsek erforscht die Evaluierung performativ-pädagogischer Praxis innerhalb eines einjährigen dramapädagogischen Vorschulprojekts in den USA. Schließlich präsentiert Petra Bosenius ein Instrument zur Bewertung performativer Kompetenz im dramapädagogischen Englischunterricht sowohl in der Primar- als auch in der Sekundarschule in Deutschland. Der deutschsprachige Artikel stellt Susanne Horstmanns theaterpädagogisches Kiswahili-Lehrkonzept am Fachsprachenzentrum der Universität Bielefeld dar.

Anne Smiths außerordentlich erfolgreiches “Applied Theatre”-Programm baut das Selbstbewusstsein von Englischsprechenden niederen Niveaus auf, um ihnen Teilhabe an der englischsprachigen Gesellschaft zu ermöglichen. Sie problematisiert, dass die Teilhabe an der Welt außerhalb des Programms individuell unterschiedlich ausfällt und argumentiert, dass die LeiterInnen von „Creative English“-Sitzungen von der Methode überzeugt und durch ihr (körperliches) Handeln ein Modell sein sollten, an dem Lernende sich orientieren können. Smiths Artikel ist auf mehreren Ebenen ein vorbildliches Beispiel reflektierter: Sie liefert ein theoretisches Konzept, berücksichtigt praktische Details, liefert Beobachtungsnotizen und ist sich der unterschiedlichen Interessen der am Projekt Beteiligten bewusst.

Yasuko Shiozawa & Eucharia Donnery vermitteln einen detaillierten Einblick in die japanische Kultur und skizzieren Schwierigkeiten, die im japanischen Bildungskontexten auftreten können. Sie beschreiben die Entwicklung eines dreijährigen Drama-Camp-Programms, das sich auf die Bewältigung solcher Schwierigkeiten fokussierte. Sie argumentieren, dass ein dramapädagogischer Ansatz japanischen Lernenden dabei helfen kann, Schüchternheit oder Angst vor Fehlern zu überwinden. Wie bei Smith zielt auch Shiozawas und Donnerys Programm darauf ab, Lernende beim selbstbewussten Sprechen des Englischen zu unterstützen.

Gustave Weltseks Lernende befinden sich an einer US-amerikanischen Vorschule, der aufgrund des schlechten Abschneidens der SchülerInnen in Evalierungsverfahren die Schließung droht. Weltsek beschreibt ein interessantes dramapädagogisches Projekt, in dem die Vorschulkinder Erfahrungen nachvollziehen, die im Laufe der West-Expansion Amerikas gemacht wurden; dabei spart er problematische Machtverhältnisse, Ungerechtigkeiten und auch großes Elend nicht aus. Weltseks äußerst aufrichtiger Artikel nimmt uns mit auf eine Reise in diesen problematischen pädagogischen Kontext; er stellt kritische Überlegungen zur performativen Pädagogik an, beleuchtet, den Aspekt Leistungsbewertung und was erfolgreiches Unterrichten genau bedeutet und setzt sich kritisch mit Forschungsarbeiten auseinander. Besonders eindrücklich in seiner Darstellung ist vielleicht der Teil, in dem er Unterrichtsmomente beschreibt, in denen sichtbar wird, wie drei seiner SchülerInnen eine für ihre persönliche Entwicklung bedeutsame Erfahrung machen.

Petra Bosenius präsentiert ihre Vision für einen Englischunterricht auf der Primar- und Sekundarstufe. Sie identifiziert drei Ebenen performativer Kompetenz und stellt anhand von illustrativen Beispielen aus der Primar-, der unteren und oberen Sekundarschule dar, wie diese Ebenen in jeder Dramaaktivität enthalten sind. Sie bezieht sich auf einen Bewertungsbogen und erläutert, wie ein solches Instrument die Bewertung fruchtbar unterstützen kann. Wie auch die anderen BeiträgerInnen dieser Ausgabe unterstreicht Bosenius, dass das Klassenzimmer für Lernende ein sicher Ort sein muss und bekräftigt Smiths oben angemerkte Argumentation, dass die Lehrenden von den Vorteilen dramapädagogischen Englischlehrens überzeugt sein müssen.

Susanne Horstmann gibt einen sehr detaillierten Einblick in die Entwicklung, Umsetzung und Reflexion eines theaterpädagogischen Sprachlehrkonzepts. In ihrem Text bietet sie eine ausführliche Beschreibung der Kurselemente (Bewegung, Rhythmus, Melodie, Rolle), bezieht sich auf weitere Elemente von Theaterspiel und erläutert die Prinzipien von Clownspiel. Gemeinsam mit den anderen BeiträgerInnen dieser Ausgabe argumentiert Horstmann für dramapädagogische Aktivitäten, um Lernende zum Zielsprachengebrauch zu ermuntern sowie die Autonomie von Lernenden zu steigern.

Die Ausgabe schließt mit einem Text ums Theater und zwei Rezensionen. Fionn Woodhouse liefert einen Auszug aus Stefanie Preissners Buch Why Can’t Everything Just Stay the Same? Serafina Morrin rezensiert Kelly Kingsbury Brunettos (2015) Performing the Art of Language Learning: Deepening the Language Learning Experience through Theatre and Drama. Franceso Bonelli bietet eine kombinierte Rezension der Spezialausgaben der Zeitschriften LIDIL und LEND, die beide von Filippo Fonio und Monica Masperi herausgegeben wurden: Les pratiques artistiques dans l’apprentissage des langues. Témoignages, enjeux, perspectives, LIDIL special issue, and Approcci teatrali nella didattica delle lingue. Parola, corpo, creazione, LEND special issue.

Wir wünschen allen LeserInnen ein wunderbar spielerisches und inspirierendes Jahr 2018!


Mandy Collins und Dragan Miladinović

GastherausgeberInnen